Donnerstag, 13. Februar 2020

Was sind eigentlich Barfussschuhe?

Was sind eigentlich Barfussschuhe

Barfuss laufen und Schuhe tragen – geht das? Barfussschuhe lassen den Wunsch in Erfüllung gehen. Wörtlich zu nehmen, ist der Begriff aber nicht. Selbstverständlich trägt der Nachwuchs Schuhe, nur fühlen sie sich nicht wie echte Schuhe an. Deutlich weicher und leichter schmiegen sie sich dem kleinen Fuss an.

Rund 99 % aller Neugeborenen kommen mit gesunden Füssen zur Welt. Doch das soll nicht so bleiben. Im Erwachsenenalter klagen bereits zwei Drittel über Fehlstellungen. Der Hauptschuldige: falsches Schuhwerk.

Wer denkt, die ersten Kinderschuhe müssten fest und stabil sein, der irrt sich. Viel wichtiger ist elastisches Schuhwerk, das den natürlichen Bewegungen des Kinderfusses nachgibt. Das stärkt die Fussmuskulatur, kräftigt die Sehnen und verbessert die Körperhaltung. Auch gängige Fehlstellungen wie den Platt-, Spreiz-, Knick- oder Senkfuss können flexible Schuhe vorbeugen.

Auf den Barfussschuh treffen all diesen positiven Eigenschaften zu. Behutsam empfindet er das Barfussgehen nach. Trotzdem ist der empfindliche Fuss keinen äusseren Gefahren wie Hitze, Kälte oder Fremdkörpern ausgesetzt.

Barfussschuhe: Sind sie die besseren Schuhe?

Dieser Frage gingen Wissenschaftler aus Deutschland und Südafrika erst kürzlich auf den Grund. In einer Vergleichsstudie, veröffentlicht im angesehenen Wissenschaftsjournal nature, untersuchten sie das Gehverhalten von über 1000 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren aus Deutschland und Südafrika.

Der Ausgangspunkt: In Südafrika ist Barfusslaufen selbstverständlich – vor allem für Kinder. Unabhängig von ihrem sozialen Status spielen, gehen und toben sie am liebsten ohne festes Schuhwerk. In der Schweiz und Deutschland sieht es anders aus. Hierzulande sind feste Schuhe ein Muss, selbst im Kindesalter. Ausser am Strand oder im heimischen Garten trägt der Nachwuchs fast immer Schuhe.

Während der Studie untersuchte das Forscherteam die motorischen Fähigkeiten der jungen Probanden beim Laufen, Springen und Balancieren. Die Ergebnisse sind unmissverständlich: Die Teilnehmer aus Südafrika hängten ihre deutschen Konkurrenten in fast allen Kategorien ab – sowohl beim Springen als auch beim Laufen. Zudem leiden sie seltener an Plattfüssen als deutsche Kinder und Jugendliche. Lediglich im Sprint zogen die deutschen Probanden an ihnen vorbei.

Die Vergleichsstudie ist der beste Beweis: Barfusslaufen ist gut für das Kind. Nicht nur beim Spielen zu Hause dürfen die Schuhe ruhig öfter im Schrank bleiben. Ebenso ist Barfuss-Feeling auch ausdrücklich unterwegs erwünscht. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie Ihren Nachwuchs schuhlos in den Kindergarten, die Schule oder zum Fussballtraining schicken sollen.

Mit Barfussschuhen schlagen Sie einen guten Mittelweg ein: Der junge Fuss ist gut geschützt. Dennoch fühlt sich jeder Schritt ein klein wenig mehr nach Barfusslaufen an.

Was macht gute Barfussschuhe aus?

Dünne elastische Sohlen

Das Herzstück des Barfussschuhs ist seine dünne und flexible Sohle. Sie ist so schmal und elastisch, dass der Kinderfuss jeden Untergrund zu spüren bekommt. Schritt für Schritt lernt er, sich seiner Umwelt anzupassen.

Zehenfreiheit

Ein weiterer Pluspunkt ist die grosse Bewegungsfreiheit, insbesondere die grosse Zehenfreiheit. Die Zehen können sich frei im Schuh entfalten. Das Geheimnis der Bewegungsfreiheit: Die Schuhspitze ist weder abgeschrägt noch zugespitzt. Sie bevorzugt eine weite und rundliche Form. Und genau so verhindert der Barfussschuh schmerzhafte Blasen, Quetschungen und Deformationen.

Auch für das natürliche Laufverhalten des Kindes ist die Zehenfreiheit förderlich. Schliesslich spielen die Zehen beim Gehen eine wichtige Rolle – speziell beim Auftreten. Sanft bremsen sie die entstehenden Kräfte beim Aufprall ab. Die Zehen bewegen sich auseinander und schaffen so eine breitere Auftrittsfläche.

Null-Sprengung

Besteht beim Schuh ein Höhenunterschied zwischen Ferse und Fussballen, so spricht man von Sprengung. Barfussschuhe verzichten auf diese Sprengung – ganz bewusst. Deshalb spricht man auch von Null-Sprengung.

Ein zu hoher Abstand zwischen Ferse und Ballen beeinflusst schliesslich den ganzen Körper. Nicht aber im positiven Sinne. Durch den Absatz ist die Ferse oft unnatürlich erhöht. Langfristig kann sich diese Position negativ auf die Haltung des Kindes auswirken.

Leichtgewichte

Gute Barfussschuhe fühlen sich nicht wie richtige Schuhe an. Federleicht umschliessen sie den Fuss. Im Idealfall bringen sie nicht mehr als 100 bis 250 Gramm auf die Waage. Normales Schuhwerk kann mit diesem Fliegengewicht nicht mithalten. Mit einem Durchschnittsgewicht von 400 bis 600 Gramm wiegt es fast dreimal so viel wie sein leichtes Pendant.

Doch wozu eigentlich der Gewichtsunterschied? Ganz einfach: Das Gewicht des Schuhs macht sich in der Hebelwirkung beim Laufen bemerkbar. Je mehr der Schuh wiegt, desto stärker verzerrt sich die Hebelwirkung. Trägt Ihr Kind schwere Strassenschuhe, schwingt das Bein beim Gehen unnatürlich weit nach vorne. Anders beim Barfussschuh: Durch das geringe Gewicht bleibt das natürliche Gehverhalten nahezu unberührt.

Flexibles Material

Herkömmliche Stoff- und Lederschuhe geben kaum nach. Die Bewegungsfreiheit des jungen Fusses ist stark beschränkt. Genau deshalb verzichten Barfusschuhe bewusst auf feste Obermaterialien. Sie bevorzugen elastische und anschmiegsame Materialien. So kehren sie den Spiess um: Nicht der Fuss passt sich dem Material an, das Material passt sich dem Fuss an.

Dank des elastischen Obermaterials hat der Kinderfuss erstaunlich viel Freiraum. Insbesondere die Zehen wissen diese zusätzliche Freiheit zu schätzen.

Wie gewöhne ich mein Kind an Barfussschuhe?

Ohne Zweifel: Barfussschuhe dürfen in keinem fussfreundlichen Schuhschrank mehr fehlen. Trotzdem ist das Schuhwerk eine Umstellung. Von heute auf morgen gewöhnen sich nur die wenigsten Kinder an den ergonomischen Schuhtrend. Ob Muskeln, Sehnen oder Bänder – der ganze Fuss braucht Zeit, um sich an die neue Belastung zu gewöhnen.

Besonders viel Zeit und Umsicht erfordert die Umstellung, wenn Ihr Kind zuvor ausschliesslich festes Schuhwerk mit dicken und steifen Sohlen getragen hat. Führen Sie es langsam an die leichte Alternative heran.

Bei Erwachsenen dauert die Umgewöhnung laut wissenschaftlicher Studien mindestens neun Monate. Bei Kindern empfehlen Experten einen ähnlichen Zeitraum. Neun Monate gelten als Minimum.

So machen Sie Ihrem Nachwuchs den Umstieg leichter:

  • vom Trainingsschuh zum Alltagsschuh: Ziehen Sie Ihrem Kind den Barfussschuh nicht gleich den ganzen Tag an. Ein paar Stunden täglich sind völlig ausreichend. Fühlt sich Ihr Kleines in dem neuen Schuh wohl, erhöhen Sie Schritt für Schritt die "Dosis".

  • Wachsam sein: Beobachten Sie Ihr Kind beim Gehen mit dem Barfussschuh. Leidet es anfangs an Gelenkschmerzen, gönnen Sie ihm eine Trainingspause.

  • barfuss laufen lassen: Ziehen Sie Ihrem Spross öfter mal die Schuhe aus. Ob zu Hause beim Spielen, beim Kinderturnen oder auf dem Spielplatz – Barfusslaufen ist die beste Vorstufe zum Barfussschuh.

Bewegungsverhalten analysieren: Kinder, besonders Kleinkinder, haben noch kein voll entwickeltes Schmerzempfinden. Häufig können sie die Schmerzquelle nicht eindeutig identifizieren. Übernehmen Sie die Analysefunktion. Zum Beispiel: Ihr Kind ist in letzter Zeit weniger aktiv? Vielleicht hat die Unlust mit den neuen Barfussschuhen zu tun. Probieren Sie es aus. Lassen Sie das Schuhwerk ein paar Tage lang weg. Ihr Kind ist wieder ganz das Alte? Höchstwahrscheinlich fühlt es sich mit der Schuhumstellung noch nicht ganz wohl. Gehen Sie es ein wenig langsamer an.

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