Dienstag, 24. März 2020

Tragetuch: Die Vorteile gegenüber einem Kinderwagen



Das Tragetuch gibt es schon viel länger als den Kinderwagen. Während der Kinderwagen eine Erfindung des 19. Jahrhunderts ist, ist das Tragen von Babys tief in den unterschiedlichen Kulturen der Menschheit verwurzelt.


In den Industrienationen ist das Tragen von Babys direkt am Körper jedoch im Laufe der Zeit wieder seltener geworden. Nur Japan bildete da eine Ausnahme. Nach einer Wiederbelebung der Tragetücher in den 1970er und 80er Jahren liegen diese nun wieder im Trend.


Das Angebot professioneller Trageberatungen in der Schweiz verdeutlicht diese steigende Beliebtheit der Tragetücher. So gibt es beispielsweise in Zürich, Winterthur Basel sowie in vielen anderen Städten und Orten  verschiedene Anlaufpunkte für interessierte Eltern.


In Kursen lernen Mütter und Väter, wie sie die Tücher richtig verwenden und welche unterschiedlichen Bindemöglichkeiten sich empfehlen.Tragetücher erfreuen sich aus gutem Grund wachsender Beliebtheit: Sie bieten gegenüber dem Kinderwagen verschiedene Vorteile.


Tragetuch: Babys wollen getragen werden




Der deutsche Verhaltensbiologe Bernhard Hassenstein prägte den Begriff des Traglings. Darunter fallen Säugetiere, die ihre Jungtiere umhertragen. Aufgrund des Klammerreflexes halten sich die Jungtiere aktiv am Fell des Elterntieres fest. Zu den aktiven Traglingen gehören beispielsweise Primaten. Kängurus sind hingegen passive Traglinge.

Nach der Geburt trägt die Mutter das Jungtier in ihrem Beutel, das Jungtier klammert sich nicht aktiv fest. Menschliche Babys halten sich ebenfalls nicht aktiv fest. Obwohl sie noch einen Klammerreflex besitzen, können sie ihr eigenes Gewicht nicht tragen. Darüber hinaus besitzen die Eltern kein Fell. Heben Sie Ihr Neugeborenes hoch, so nimmt es jedoch meist sofort die Anhock-Spreizhaltung ein.

Dabei zieht es die Beine an, wobei es die Oberschenkel leicht abspreizt. Diese Haltung vereinfacht das Tragen durch die Eltern. In der Anhock-Spreizhaltung «klammert» sich das Baby auf Höhe der Taille fest. Als Kleinkind sitzt es auf der Hüfte oder auf dem Rücken. In der Anhock-Spreizhaltung ist der Rücken des Babys leicht gebogen und die Hüften befinden sich in einer optimalen Stellung zum Tragen.

Dabei ist das Baby jedoch auf Unterstützung angewiesen. Diese Unterstützung übernimmt ein Tragetuch, das das Baby sicher am Körper des Elternteils oder einer anderen Betreuungsperson hält. Somit nehmen Babys automatisch eine Haltung ein, die Mutter oder Vater sagt: «Trage mich!».

Ein Tragetuch erlaubt Nähe und Geborgenheit

Mit einem Tragetuch trägt Mama oder Papa das Baby vor dem Brustkorb. Das Gesicht des Babys zeigt zum Körper. In dieser Position fühlt sich das Baby sicher und geborgen. Aufgrund der Nähe spürt es den Herzschlag, die Körperwärme und die Atmung von Mama oder Papa.

Dies kennen Babys aus dem Mutterleib. Durch den regelmässigen Körperkontakt entwickeln die Kleinen eine tiefe Bindung zu ihrem Eltern. Die Verwendung von Tragetüchern beruhigt Babys und sie schreien weniger. Zu diesem Ergebnis kommt Urs A. Hunziker in einer Studie am Kinderspital Zürich.

Wenn das Baby jedoch in einem Kinderwagen liegt, besteht keinerlei Körperkontakt: Sie spüren Ihr Baby nicht und Ihr Baby spürt Sie nicht. Beim Tragen des Babys in einem Tuch, nehmen Eltern den emotionalen Zustand Ihres Kindes unmittelbar wahr. Häufiges Tragen des Babys erhöht die Feinfühligkeit der Eltern.

In der Folge verbessert sich potenziell auch die Kommunikation. Der Körperkontakt führt ganz nebenbei zur Ausschüttung von Oxytocin – einem Hormon, das auch als «Kuschelhormon» bekannt ist. Dieses Hormon wirkt als Neurotransmitter (Botenstoff). Neben der Stimulierung der Milchproduktion ist Oxytocin für die Stärkung der Bindung zwischen Elternteil und Baby verantwortlich. Die Nähe schützt Ihr Baby vor neugierigen Blicken und lässt es ruhig schlafen.

Während andere Leute problemlos einen Blick in den Kinderwagen und auf Ihr Kind werfen können, ist das bei Verwendung eines Tragetuchs nicht möglich. Sie entscheiden, wer Ihr Baby sieht. In der Öffentlichkeit bietet ein Tuch mehr Schutz als ein Kinderwagen. Aus der körperlichen Nähe beim Tragen ergeben sich somit unterschiedliche Vorteile für Sie und Ihr Baby.

Die Vorteile für die körperliche Entwicklung



Die Anhock-Spreizhaltung unterstützt die Entwicklung der Hüfte des Babys. Allerdings ist es ratsam eine Überspreizung der Beine zu vermeiden. Die optimale Anwendung eines Tragetuches erlernen Sie am einfachsten in einer Trageberatung. Durch Ihre Aktivitäten ist auch Ihr Baby im Tuch in ständiger Bewegung. Diese führt zu einer Stärkung der Hals- und Rückenmuskulatur des Kindes, da es laufend seine Position anpasst. Neben dem Aufbau der Muskulatur ist eine Schulung der motorischen Fähigkeiten die positive Folge. 

Das Tragetuch im Alltag daheim und unterwegs

Im Tragetuch sitzt Ihr Baby sicher und Sie haben beide Hände frei. Somit gehen Sie daheim im Grunde den üblichen Aktivitäten nach und haben Ihr Baby jederzeit im Blick. Sie kochen, backen und erledigen andere Arbeiten im Haus ohne grosse Einschränkungen. Die Verwendung eines Tragetuchs ermöglicht es Ihnen also, aktiv und dabei Ihrem Baby nah zu sein.

Im Haushalt ist Ihnen ein Kinderwagen hingegen keine sonderlich grosse Hilfe. Auch unterwegs erweist sich das Tragetuch als hilfreich. Wenn Sie mit einem Kinderwagen unterwegs sind, stellen Treppen ein Hindernis dar. Mit Tragetuch ist das Treppensteigen hingegen problemlos möglich.

Das Manövrieren eines sperrigen Kinderwagens ist in Geschäften mit zu wenig Platz eine Herausforderung. Ähnliche Hindernisse tauchen bei Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr auf. Wer ein Tragetuch für den Transport seines Kindes verwendet, bewegt sich freier als mit einem Kinderwagen – daheim und unterwegs.

Auch beim Verstauen sind Tragetücher jedem Kinderwagen überlegen. Während ein zusammengelegtes Tragetuch in eine Tasche oder einen Rucksack passt, benötigt ein Kinderwagen deutlich mehr Stauraum – auch in zusammengeklapptem Zustand. Beim Transport mit dem Auto passt ein Kinderwagen nur in den Kofferraum. Mit einem Tuch müssen Sie in der Regel gar nicht erst darüber nachdenken, wie Sie es transportieren.

Vielseitig einsetzbar



Ein Tragetuch lässt sich unterschiedlich binden. Je nach Alter des Babys oder Kleinkindes wickeln Sie das Tragetuch anders oder wählen ein flexibles Tuch oder eines aus nicht dehnbarem Stoff. Somit ermöglichen die Tücher unterschiedliche Tragepositionen: auf dem Brustkorb, an der Seite oder auf dem Rücken. In einem Kinderwagen liegt Ihr Kind auf dem Rücken oder auf dem Bauch. Somit bietet Ihnen ein Kinderwagen nicht die Flexibilität, die Tragetücher auszeichnet.

Das gute Tragetuch

Empfehlenswerte Tragetücher erfüllen den Öko-Tex Standard 100 oder sind REACH-zertifiziert. Bei diesen Textilien ist das besonders wichtig, da sie dauerhaft in Kontakt mit Ihrem Kind sind. Die Länge eines Tragetuchs liegt im Bereich von ungefähr 2,70 bis 5,70 Metern. Die Tuchlänge richtet sich nach Ihrer Körpergrösse und der Bindeweise.

Nur verstärkte Kanten leiern nicht aus und halten auf Dauer der Belastung stand. Sie sorgen dafür, dass die Knoten und Bindungen zuverlässig halten. Ein markierter Mittelpunkt hilft Ihnen beim richtigen Wickeln des Tragetuchs. Zum Lieferumfang der Tragetücher gehört eine Anleitung zur richtigen Bindung.

Bei Bedarf erhalten Sie weitere Informationen bei unserer Trageberaterin Jenny Mühlematter, welche auch diplomierte Physiotherapeutin ist. Probieren Sie aus, wie sich das Tragen mit einem Tuch für Sie und Ihr Baby anfühlt! Die Verwendung von Tragetüchern hat zahlreiche Vorteile.

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